Michael Bauer

Ansichtssache

Ein Beitrag von Michael Bauer

Genug gebüßt? Fehlanzeige!

Im letzten Stadtspiegel betrieb Wilhelm Meyer massive Werbung für Susanne Fritsch, Tochter des CDU-Vorsitzenden und ehrenamtlichen Stadtrates im Eschborner Magistrat, Karl Heinz Gritsch. „Partei und Fraktion“ sollten „nun auch die Kraft haben, Fritsch für den Vorsitz auszuwählen“, schreibt Meyer, nachdem Markus Depping den Fraktionsvorsitz niedergelegt hat.
Das sind seltsame Töne in einem sogenannten Bericht der einzigen Eschborner Wochenzeitung. Und vor allen Dingen stimmen die Fakten hinten und vorne nicht. In wessen Auftrag also wurde eine derartige Wahrheitsverdrehung geschrieben? Das werden wir wohl nie erfahren, aber erfahren sollten die Stadtspiegelleser den Hintergrund der Behauptung, man solle „Vorhaltungen und Vorwurf alter Hüte“ beenden. Was ist geschehen?

Zur Kommunalwahl im März 2011 stellte die CDU unter Führung von Karl Heinz Gritsch einen schon 2008 nach Hattersheim verzogenen Kandidaten auf, obwohl dieser nicht hätte aufgestellt und gewählt werden dürfen. Man hatte, um das aktive und passive Wahlrecht herzustellen, diesem Kandidaten eine Scheinadresse gegeben, nämlich einen Briefkasten an einem Haus des damaligen Stadtverordnetenvorstehers (CDU).
Als der Wahl- und Wählerbetrug im Herbst 2011 aufflog, gaben sich alle CDU-Mandatsträger und Funktionsträger völlig überrascht und erzählten, absolut keine Ahnung von dem kriminellen Verhalten gehabt zu haben. Keiner will gewußt haben, wo einer der wichtigsten Funktionsträger der CDU wohnt! Kontakt habe man allenfalls telefonisch gehabt, aber natürlich nur über Mobilfunk (Festnetz wäre ja verräterisch gewesen).
Bestraft wurde nur der bis dahin CDU-Stadtverordnete, der es nicht hätte sein dürfen, sich aber von seiner Partei und deren „Macher“ hatte überreden lassen, zum Wohle der Partei seinen wahren Wohnort zu verheimlichen und einen falschen anzugeben. Einer Bestrafung entgehen konnte der Stadtverordnetenvorsteher, der sein Amt neiderlegte und sein Mandat zurückgab und ein Bußgeld zahlte (die Tagespresse berichtete seinerzeit ausführlich).

Ungeschoren davongekommen sind alle Mitwisser. Und daß es keine Mitwisser, insbesondere nicht aus der Parteiführung und der CDU-Fraktion gegeben haben soll, ist ein Märchen. Den Gegenbeweis liefert gerade die heftige Diskussion um den Rücktritt von Markus Depping vom Fraktionsvorsitz. Es wird spätestens jetzt selbst jedem an Politik völlig Uninteressierten klar, wie wichtig die Position des Fraktionsvorsitzenden der größten Fraktion im Eschborner Stadtparlament ist, seit man es immer wieder in der Presse lesen kann. Und da wollen insbesondere der CDU-Vorsitzende, der den gefälschten Wahlvorschlag der CDU zur Kommunalwahl 2011 eingereicht hat, versehen mit mehreren Unterschriften anderer wichtiger CDU-Leute, und alle anderen nicht gewußt haben, daß einer ihrer wichtigsten Kandidaten schon jahrelang in Hattersheim wohnte?
Wem wollen die Familien Gritsch und Fritsch denn erzählen, daß sie keine Ahnung hatten, obwohl aus ihren Familien sogar ein Taufpate eines in Hattersheim getauften Kindes des zu Unrecht in Eschborn gewählten CDU-Stadtverordneten stammt?

Trotz aller dieser Indizien wurde niemand strafrechtlich verfolgt und niemand aus den Familien Gritsch und Fritsch hat gebüßt. Im Gegenteil: Herr Karl Heinz Gritsch ist nicht nur nach wie vor CDU-Vorsitzender, sondern auch noch weiterhin ehrenamtlicher (!) Stadtrat, und seine Tochter Susanne Fritsch nach wie vor Stadtverordnete und stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Eschborner Stadtparlament.
Nicht einmal fünf Jahre ist die kriminelle Aktion her, und da will man uns einreden, der Vorwurf sei „ein alter Hut“? Das ist doch wohl ein seltsames Verständnis von Recht und Unrecht und auch von der Bedeutung und dem Inhalt eines Ehrenamtes.